Elisabeth Howeys Objekte und Zeichnungen entstehen im Zustand des Tastens und Abtauchens.

Hybride Lebensformen und Systeme verflechten sich zu surrealen Archeformen bis hin zu futuristisch anmutenden Kreaturen.

Körperlich und vielgestalt ist ihre Kunst damit dem Tanz nah. (1)




Die monochromen Skulpturen von Elisabeth Howey strahlen eine nahezu ätherische Ruhe aus, während ihre amorphen Formen zwischen glatter Perfektion und brüchiger Fragilität oszillieren. Die Skulpturen wirken wie flüchtige Manifestationen des Unbewussten, die kurz in die physische Welt eintreten, nur um sich wieder ins Immaterielle zurückzuziehen.

Ihre reduzierte Farbpalette, die sich fast ausschließlich in Nuancen von Weiß bewegt, schafft einen meditativen Raum, der zur kontemplativen Betrachtung einlädt.

Howey verweigert die Farbigkeit beinahe vollständig, um Klarheit und Konzentration zu erreichen, die der Essenz von Form und Materialität nachspürt. Sie verzichtet auf ornamentale Überladung und unnötige Details, um in der Klarheit einen universellen Ausdruck zu finden. Diese Reduktion verleiht ihrem Werk eine tiefgreifende Präsenz, die das Wesentliche sichtbar macht. (2)




OH HOCHWUCH OH
HOCHWUCH OH

WUCHS MIR WUCH
URHOCH
MIR

OH HOCHWUCH OH
HOCHWUCH OH

URSTHOCHWUCH
WUCHS
HOCHHOCH
URWACHS OOCH MIR

URWUCHS OOCH
DOLLHOCH STIEG AN
DOLLWUCHS STIEG MIR

OH HOCHWUCH OH
HOCHWUCH OH

WUCHWUCH URST
WUCHS MIR URST
WUCH HOCH UND

URST DOLL GROWTHST
URWACHS AUF
AUS

(3)




Vielleicht sieht man es den Skulpturen und Objekten von Elisabeth Howey nicht auf den ersten Blick an, aber auch ihre Arbeiten sind inspiriert vom Phänomen des Wachsens, des Sichveränderns, des Wandels und der Kreisläufe. Prozesse in der Natur, die einen Ausgangspunkt haben und sich über die Zeit entwickeln, beispielsweise, bei Pflanzen das Emporstreben, Sichausbreiten, -ausdehnen überträgt sie in ihre skulpturalen Arbeiten. Das Interesse für das Pflanzliche verbindet sich auch mit dem Wissen über eine gewisse Langsamkeit und das kaum Beeinflussen- und Forcierenkönnens solcher Vorgänge. (...)

Elisabeth Howey schafft Formen, Gebilde, Wesen die sehr konzentriert wirken, damit ist keine mentale Form der Konzentration gemeint, sondern die Konzentration auf die Form, die inhaltliche Aussage und das Material – sie ist diesen Arbeiten eingeschrieben. Es sind keine hochkomplexen vegetabilen Formen, die überborden von Details, in denen wir uns zu verlieren drohen, sondern eher in sich ruhende, runde, weiche Formen, die anschwellen, sich wieder verjüngen, vielleicht wie bei Spross II kleine winzige Andeutung einer bestimmbaren pflanzlichen oder tierischen Formung vorgeben. (...)

In ihrer Konzentriertheit, in ihrer spannungsvoll geschlossenen Form lassen diese Objekte die Kraft und Energie erahnen, die in ihnen steckt und die aus ihnen herausbrechen kann. Ihre Oberflächen sind zumeist glatt, damit ist ihr Verhältnis zum Raum als Grenze klar definiert, aber jede Ausstülpung greift auf ihre Art wiederrum in diesen Raum ein, interagiert mit ihm, verändert ihn, drängt ihn zurück und lässt ihn wieder auf sich zukommen. (4)




(1) ELISABETH HOWEY
(2) MOLINA GHOSH
aus "Resonanzen von Form und Materialität", Eröffnungsrede zur Ausstellung ECHO von Juliana Ortiz und Elisabeth Howey, Galerie Ghosh, 2024
(3) MICHAEL BARTHEL
Sprechstück zur Ausstellung GROWTH von Elisabeth Howey, claveti teicori, 2014
(4) SUSANNE KNORR
aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung Elisabeth Howey und Kay Zimmermann, Moritzkirche Naumburg, 2023